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11:07

So gewinnt man kein Turnier.

Das ist das Trikot der Deutschan Frauen-Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2011.

Meine Meinung zum Frauenfußball ist offen und erwartungsfroh. Also total positiv. Ich finde es toll, dass es einen erfolgreichen (und sichtbaren!) Frauenfußball gibt und dass das Eröffnungsspiel gestern 14 Millionen Menschen gesehen haben.

Dass der Frauenfußball trotzdem einen schweren Stand hat, wird immer wieder deutlich. Aber dass es eine lebhafte und kämpferische Fußballkultur um den Frauenfußball gibt, ist an anderer stelle schön klar geworden (siehe: 11FREUNDINNEN).

Ich möchte kurz über zwei grafische Aspekte sprechen.

Ich finde, der Frauenfußball verdient allen Respekt und Unterstützung, im gleichen Maße wahrgenommen werden zu können wie der Männersport. Ich bin der Meinung, dass kleine Gesten und Haltungen einen Schmetterlingseffekt haben. Und überzeugt bin ich, dass das in der Gestaltung gilt.

Das ist das Plakat der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft zum Eröffnungsspiel, gestern Abend in Berlin, gestaltet von Fuenfwerken. Schrecklich. Und wenn man sich die anderen Entwürfe im Wettbewerb anschaut, war auch nix besseres dabei. Es gab wohl strenge Vorgaben zum Logo und der Schriftgröße. Das ist schon schlimm genug. Aber warum muss man den Frauenfußball so minimierend darstellen? Der Frauenfußball in die Ecke gedrängt. Der starke, männliche Bär, hält die Frau vom spielen ab.

Man hätte die Diskrepanz in der gesellschaftlichen Wahrnehmung nicht treffender darstellen können.

Und jetzt zum Trikot. Mir geht’s um die Schriftart der Rückennummer und des Namens. Im offiziellen DFB-Statement heißt es dazu:

Der leicht taillierte Schnitt und die runden und eleganten Rückennummern sorgen für ein feminines Design.

Viele Zuschauer dachten, die Trikots seien in Comic Sans gesetzt. Stimmt nicht ganz. Aber der Verdacht ist ja schon schlimm genug. Michael Preidel hat sich auf die Suche gemacht und ist fündig geworden. Die Schrift heißt “Action Man” von Iconian Fonts und ist eine Freeware-Schrift, die bei kommerzieller Nutzung 20 Dollar kostet.

(jupp, das ist die Trikot-Schreibweise von Mittelfeldspielerin Lena Goeßling)

Eine runde, quirlige Schrift, wackelig wie Pudding und undefiniert wie mit Fingerfarbe ans Fenster gepatscht. Grausam.

Und sowas auf den Trikots unserer Nationalmannschaft? Als Representantinnen eines ganzen Landes bei einem so wichtigen Fest wie der WM? Ja genau, man kann noch mehr superlative für diesen Quatsch finden.

Darüber, dass für eine hochkommerzielle Veranstaltung wie der Frauen-WM eine kostenlose, billige Schrift verwendet wird, könnte man sich schon alleine aufregen. Die Schrift allein ist schon nicht ernst gemeint und wird auch nicht ernst genommen. Und was soll das für unsere Fußball-Frauen bedeuten?

Schließe mich dem Kommentar von Arno im Fontblog uneingeschränkt an:

Ach du meine Güte, diese »Ponyhof-Typo« ist einfach nur albern – aber ich fürchte, das ist kein Zufall. Den Jungs hätte der DFB diesen Mist auf den Trikots der Nationalmannschaft never ever zugemutet, warum aber den Mädels? Weshalb überhaupt unterschiedliche Trikots?

Ich werde irgendwie das Bild von altdeutschen, mal links-, meist rechts-, aber immer wichtigpopichtig entscheidungstragenden Funktionären nicht los, deren größte Sorge das Verblassen des Wunders von Bern ist.

(Hervorhebungen von mir)

So gewinnt man also kein Turnier. Und schon gar nicht den wichtigeren Wettkampf um die Anerkennung des Frauenfußballs und der Gleichberechtigung des Frauensports.

Ih, bäh, DFB!

Reposted byfinkreghMadMaidmondkroeteArkelanfallzweisatz

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Schweinderl